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Dynamische Sitzen

Der Hype des Gymnastikballs im Büro hat uns wieder. Arbeitgeber erhalten immer öfter motivierte Anfragen bezüglich dieser „Sitzgelegenheiten“, die auch mitunter von Physiotherapeuten empfohlen werden. Sie sollen der statischen Sitzhaltung entgegen wirken und den dadurch bedingten Haltungsschäden und Rückenschmerzen vorbeugen.

Folgende Frage wird deshalb immer wieder zum Gesprächsthema:
Ist der Sitzball oder Pendelhocker ein gesunder Ersatz für den Bürostuhl und geeignet fürs Büro?

Was sagt das Gesetz?

Laut dem RGD of 4.11.1994 bezüglich der Mindestvorschriften für die Sicherheit und Gesundheit am Bildschirmschirmarbeitsplatz muss der Arbeitsstuhl folgende Kriterien erfüllen:
· Standsicherheit;
· uneingeschränkte Bewegungsfreiheit;
· komfortables Sitzen;
· einstellbare Sitzhöhe;
· in Höhe und Neigung anpassbare Rückenlehne.

Der Sitzball und auch der Pendelhocker erfüllen nicht oder nicht ausreichend diese gesetzlichen Vorgaben und sind damit laut Gesetz keine Arbeitsstühle.

Was empfiehlt der Arbeitsmediziner?

Dynamisches Sitzen ist dem statischen Sitzen auf jeden Fall vorzuziehen
und bedeutet sinngemäss, dass die Sitzposition häufig gewechselt wird.

Bewegtes Sitzen führt zu einer natürlichen Be- und Entlastung der Bandscheiben und der Muskulatur:
· Die Bandscheiben, die als Stossdämpfer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern fungieren, bestehen aus einem Faserring und einem gallertartigem Kern, die nur durch den Wechsel von Druck und Entlastung, gleich einem Schwamm, mit den notwendigen Nährstoffen versorgt werden können.
· Die wechselnde Anspannung und Entspannung der Muskulatur entspricht dem natürlichen Bewegungsmuster und fördert so die Durchblutung und beugt muskulären Fehlbelastungen und Verspannungen vor.

Auf Sitzbällen und Pendelhockern befindet sich der Benutzer in einem labilen Gleichgewicht. Bei dieser instabilen Gleichgewichtslage werden immer wieder kleine Korrekturbewegungen durch die Rücken- und Rumpfmuskulatur ausgeführt: Der Benutzer muss sich deshalb ständig bewusst oder unbewusst auf diese ungewohnte Art des Sitzens konzentrieren. Zudem nimmt er wegen der fehlenden Abstützmöglichkeit des Rückens bereits nach kurzer Zeit durch die zunehmende muskuläre Ermüdung eine Rundrückenhaltung ein. Ungeachtet dessen besteht eine erhöhte Sturzgefahr.

In diesem Zusammenhang ist es umso wichtiger zu wissen, was denn einen guten Arbeitsstuhl ausmacht: Beim Sitzen auf einem individuell und optimal eingestellten Arbeitsstuhl werden die vorbeschriebenen belastenden Ausgleichsbewegungen unterbunden. Er soll die natürliche Haltung des Menschen im Sitzen unterstützen und im angemessenen Verhältnis zur Arbeitsaufgabe die Bewegungen fördern. Die höhenverstellbare und neigbare Rückenlehne bietet dabei die notwendige individuelle Abstützung der Wirbelsäule in den unterschiedlichen Sitzhaltungen, die Sitzflächenneigung ermöglicht die natürliche Kippung des Beckens nach vorne. Der ergonomische Bürostuhl sollte mit einer Synchronmechanik ausgerüstet sein (Relativbewegung von Sitzfläche und Rückenlehne zueinander), die über die kontrollierte Veränderung des Sitzöffnungswinkels hinaus zudem auch noch eine kontinuierliche Veränderung der Beinhaltung und der Fußposition fördert.

Das Wichtigste in Kürze:
· Durch das Bewegen der Wirbelsäule werden die Bandscheiben mit Nährstoffen versorgt.
· Die einstellbare Rückenlehne bietet eine individuelle Abstützung der Wirbelsäule beim dynamischen Sitzen und beugt Ermüdungshaltungen vor.
· Die höheneinstellbare und geneigte Sitzfläche unterstütz eine gute Beckenstellung und dadurch eine aufrechte Sitzhaltung.

Welche Sicherheitsaspekte müssen beachtet werden?

Beim Einsatz am Bildschirmarbeitsplatz sind unterschiedliche Einstellmöglichkeiten zum Einnehmen individueller ergonomischer Sitzhaltungen erforderlich.

Wie bereits erwähnt, erfüllen Sitzbälle und Pendelhocker nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen an Standsicherheit und Stabilität. Dadurch ist das Sturzrisiko im Vergleich zum gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsstuhl erheblich grösser. Die individuelle Sitzhöheneinstellung ist nur bedingt gewährleistet.

Das unkontrollierte Rollverhalten des Sitzballs kann zudem für seinen Benutzer und für Dritte zu einem gefährlichen Hindernis auf Verkehrs- und Fluchtwegen werden.

Fazit

Sitzball und Pendelhocker sind keine Arbeitsstühle, gehören nicht ins Büro und sollten hier nicht zum Einsatz kommen.

Der Sitzball ist ein hervorragendes Trainingsgerät zur Förderung der eigenen Fitness während der Freizeit und beim Sport.