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Junge Arbeitnehmer

Gesetz vom 23. März 2001 über den Schutz von jungen Arbeitnehmern

Kapitel 1: Anwendungsbereich

Dieses Gesetz findet Anwendung auf:

  • „junge“ Arbeitnehmer, d.h. alle Personen , die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die einen Arbeitsvertrag besitzen und einer bezahlten Beschäftigung auf dem Staatsgebiet des Großherzogtums Luxemburg nachgehen oder Praktikanten, Lehrlinge, junge Arbeitslose im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Schüler und Studenten, die während der Schulferien arbeiten;- 
  • "Kinder“, d.h. Jugendliche unter 15 Jahren, die noch schulpflichtig sind;
  • Jugendliche“, d.h. junge Leute zwischen 15 und 18 Jahren, die nicht mehr schulpflichtig sind. 

Darüber hinaus finden die Artikel 12,13, Unterkapitel 8 und 14 Anwendung auf Jugendliche bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres.
Die Bedingungen, die für Jugendliche gelten, die im Hausdienst, in der Landwirtschaft und im Weinbau beschäftigt sind, können durch großherzogliche Verordnung präzisiert werden.

Kapitel 2: Kinderarbeit

Es ist verboten, Kinder für jede beliebige Art von Arbeit heranzuziehen.
Die Teilnahme von Kindern zu Erwerbs- oder beruflichen Zwecken an Aktivitäten im audiovisuellen, kulturellen, künstlerischen, sportlichen, Werbe- oder Modebereich ist untersagt. Dieses Verbot gilt nicht für die erwerbszweckfreie Mitwirkung des Kindes an den genannten Aktivitäten, sei es als Mitglied eines Sport-, kulturellen oder künstlerischen Vereins oder im Rahmen von Verbandsaktivitäten.

Kapitel 3: Allgemeine Pflichten des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber muss die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Jugendlichen zu gewährleisten. Diese Maßnahmen werden getroffen auf der Grundlage einer Bewertung der Risiken, die vorgenommen werden muss, bevor die Jugendlichen ihre Arbeit aufnehmen sowie bei jeder größeren Veränderung der Arbeitsbedingungen. Sollte die Bewertung ergeben, dass eine Gefahr für die Sicherheit, die Gesundheit oder die körperliche, seelische, geistige oder soziale Entwicklung der Jugendlichen besteht, wird die zuständige Arbeitsmedizindienststelle in regelmäßigen Abständen eine kostenlose und angemessene Bewertung und Überwachung ihrer Gesundheit vornehmen. 
Vor der Unterzeichnung des Arbeits-, Lehr- oder Praktikumsvertrags oder vor der Aufnahme der Arbeit informiert der Arbeitgeber den „jungen“ Arbeitnehmer schriftlich über etwaige Risiken und alle in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz getroffenen Maßnahmen.

Während der Schulferien arbeitende Schüler und Studenten müssen sich einer Einstellungsuntersuchung unterziehen, falls die Arbeitsstelle, an der sie eingesetzt werden, mit dem Risiko einer Berufskrankheit verbunden ist oder falls es sich um einen Sicherheitsarbeitsplatz handelt.

Kapitel 4: Verletzbarkeit der Jugendlichen - Arbeitsverbot

Es ist verboten, Jugendliche für Arbeiten heranzuziehen, die besondere Gefahren für ihre Sicherheit, ihre Gesundheit, ihre körperliche, seelische, geistige, sittliche oder soziale Entwicklung beinhalten oder die ihre Erziehung oder ihre Berufsausbildung aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung oder ihres mangelnden Bewusstseins für vorhandene oder mögliche Risiken gefährden könnten.
Verboten sind insbesondere Arbeiten (s. Liste im Anhang des Gesetzestextes):

  • welche die physische oder psychische Leistungsfähigkeit der Jugendlichen übersteigen
  • bei denen sie giftigen oder krebserregenden Substanzen oder Strahlungen ausgesetzt sind
  • bei denen sie extremen Temperaturen (Kälte oder Wärme) ausgesetzt sind
  • bei denen sie Lärm oder Erschütterungen ausgesetzt sind
  • bei denen sie den schädlichen Einwirkungen von physikalischen, biologischen oder chemischen Arbeitsstoffen ausgesetzt sind.

Für Jugendliche untersagt ist Arbeit im Akkord, Arbeit am Fließband oder jedes andere System, das durch Erhöhung des Arbeitstempos eine höhere Bezahlung in Aussicht stellt.

Kapitel 5: Arbeit von Jugendlichen

Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Jugendliche müssen besondere Anweisungen erhalten, falls sie im Rahmen ihrer Berufsausbildung in gefährliche Arbeiten eingewiesen werden müssen.
Der Arbeitgeber, der einen oder mehrere Jugendliche beschäftigt, muss ein Verzeichnis mit allen persönlichen Angaben und allen Angaben in Bezug auf die Art der Beschäftigung führen. Die ärztlichen Untersuchungen entsprechen denjenigen, die im Gesetz vom 17. Juni 1994 über die arbeitsmedizinischen Dienste vorgesehen sind.

Arbeitsdauer

Die Arbeitsdauer darf 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Die in der Schule verbrachten Stunden (alternierendes Ausbildungssystem) gelten als Arbeitsstunden und der Arbeitgeber muss die Jugendlichen von der Arbeit freistellen, damit sie den Pflichtberufsschuluntericht besuchen können.
Die Leistung von Überstunden ist untersagt, außer in Ausnahmefällen und nach begründeter Beantragung des Arbeitgebers beim Direktor der Gewerbeinspektion. 

Ruhezeiten und Pausen

Nach einer Arbeitszeit von 4 Stunden haben Jugendliche Anspruch auf eine entlohnte Ruhezeit von mindestens 30 Minuten. Nach jedem Zeitraum von 7 Tagen haben Jugendliche Anspruch auf eine Ruhezeit von 2 aufeinander folgenden Tagen, zu denen grundsätzlich der Sonntag zählt. 

Arbeit an Sonntagen und an gesetzlichen Feiertagen

Jugendliche dürfen nicht an Sonntagen und an gesetzlichen Feiertagen arbeiten. In Ausnahmefällen darf der Arbeitgeber Jugendliche an diesen Tagen arbeiten lassen, sofern er unverzüglich den Direktor der Gewerbeinspektion unter Angabe von Gründen davon in Kenntnis setzt. Dem Jugendlichen muss innerhalb von 12 Tagen nach diesem Sonntag oder Feiertag ein ganzer Ausgleichsruhetag gewährt werden. Sonntagsarbeit wird mit einem Zuschlag von 100 % entlohnt; Feiertagsarbeit wird wie Sonntagsarbeit zuzüglich zur Entschädigung für die am Feiertag geleistete Arbeitsstundenzahl entlohnt.

Nachtarbeit

Jugendliche dürfen nicht während der Nacht, d.h. während eines Zeitraums von 12 aufeinander folgenden Stunden in der Zeit zwischen 20:00 und 6:00 Uhr, beschäftigt werden. In kontinuierlich arbeitenden Betrieben und Dienststellen ist die Arbeit bis 22:00 Uhr gestattet, sie bleibt jedoch während der Zeit von Mitternacht bis 4 Uhr untersagt.
Falls der Jugendliche Nachtarbeit verrichtet, wird seine Gesundheit in regelmäßigen Abständen von dem zuständigen arbeitsmedizinischen Dienst untersucht.

Bezahlter Urlaub

Jugendliche haben Anspruch auf einen bezahlten Jahresurlaub von mindestens 25 Arbeitstagen, sofern nicht günstigere kollektivvertragliche Bestimmungen in Frage kommen. Der Urlaub der Lehrlinge muss mit den Berufsschulferien zusammenfallen.

Entgelt

Der Mindestsatz der kollektivvertraglichen Löhne von Jugendlichen unter 18 Jahren ist im Verhältnis zu gleichwertiger Arbeit eines Erwachsenen wie folgt festgesetzt (80 % von 17 bis18 Jahren; 75 % von 15 bis 17 Jahren).
Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.